• 16.11.2017
  • Press release
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Schönbeins Labor – Falkensteinerhof in Basel mit «Chemical Landmark» ausgezeichnet

Im Falkensteinerhof wirkte ab 1828 Christian Friedrich Schönbein.
Image: Leo Merz / UB Basel, Portr Im Hof A 143
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Im Falkensteinerhof wirkte ab 1828 Christian Friedrich Schönbein.
Im Falkensteinerhof wirkte ab 1828 Christian Friedrich Schönbein. (Image: Leo Merz / UB Basel, Portr Im Hof A 143)

Die Wirkungsstätte von Christian Friedrich Schönbein, der Falkensteinerhof am Münsterplatz in Basel, wurde am 16. November 2017 von der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz als «Historische Stätte der Chemie» ausgezeichnet. Der Falkensteinerhof beherbergte von 1821 bis 1849 die naturwissenschaftliche Sammlung und damit auch das chemische Laboratorium der Universität Basel. Ab 1828 war hier Christian Friedrich Schönbein tätig, einer der bedeutendsten Chemiker des 19. Jahrhunderts: Er entdeckte neben anderem das Prinzip der Brennstoffzelle, Zellulosenitrat («Schiesswolle») und das Ozon.

Im Falkensteinerhof entdeckte Schönbein 1839 den Effekt der Wasserstoff-Brennstoffzelle. Sein englischer Freund und Kollege William Grove entwickelte darauf 1842 die erste Brennstoffzelle mit kontinuierlicher Gaszufuhr als Energiequelle. Wasserstoff-Brennstoffzellen wurden im Apollo Raumfahrtsprogramm, insbesondere bei der Mondlandung 1969, als Energiequelle eingesetzt. Auch die Postauto AG testete bis 2016 erfolgreich fünf Brennstoffzellen-Postautos in Brugg und die Empa hat kürzlich eine Wasserstoff-Tankstelle in Betrieb genommen.

Im selben Jahr, 1839, entdeckte Schönbein auch das Ozon. Der brilliante Wissenschafter begnügte sich nicht mit der Entdeckung und erforschte das Ozon sein Leben lang. Beschrieb man früher Ozon als den «elektrischen Geruch», so gelang Schönbein die chemische Synthese ohne Elektrizität. Mit ausserordentlichem Weitblick schrieb er 1853 an Justus von Liebig, er sei «Geneigt zu glauben, das atmosphärische Ozon spiele im Haushalte der Erde eine wichtige Rolle». Schönbein entwickelte ein chemisches Ozonometer und ermutigte seine europäischen Kollegen zu zeitlich und geographisch weitläufigen Messreihen.

Sprühpflaster, Alleskleber, Kunststoffe

Zellulosenitrat, auch Schiesswolle genannt, entwickelte der Chemiker 1845. Die naheliegende Anwendung als Schiesspulver und Sprengstoff versuchte er erfolglos zusammen mit R. C. von Böttger zu vermarkten. Sobald die Löslichkeit von etwas schwächer nitrierter Baumwolle (Kollodion) in Ether entdeckt wurde, empfahl Schönbein seinem Medizinkollegen Jung, diesen «Klebäther» als flüssiges Pflaster zu testen, was gut funktionierte. Noch heute sind Sprühpflaster auf Zellulosenitrat-Basis erhältlich. Zellulosenitrat wird auch als Basis für Alleskleber (z.B. Uhu hart) verwendet. Zudem war das Material die Grundlage für die ersten Kunststoffe. Der Brite Alexander Parkes entwickelte daraus Parkesine, welches bis heute als Zelluloid Verwendung findet (bis in die 1950er Jahre als Filmträger, bis in die 2010er Jahre als Tischtennisbälle u.v.m.).

Als unermüdlicher Forscher mit Entdeckergeist war Schönbein einer der wichtigsten Chemiker Mitte des 19. Jahrhunderts, stark dem Wissensdurst und der Grundlagenforschung verbunden, aber auch um Anwendung der Resultate bemüht. Im Jahre 1854 schrieb er in einem Brief an von Liebig: «Wer nicht den Muth hat einen neuen Gedanken auszusprechen, auch auf die Gefahr hin zu irren oder für einen Narren gehalten zu werden, wird wenig zu irgend einer Art von Fortschritt beitragen können.»

Schönbein war nicht nur in der Wissenschaft äusserst aktiv und dominierte regelrecht die Publikationsreihe der Naturforschenden Gesellschaft in Basel (NGIB). Er war auch einige Jahre in der Redaktion der Basler Zeitung tätig und wurde 1840 zum Ehrenbürger der Stadt ernannt. Er war Gründungspräsident des Museumsvereins und blieb dies bis zu seinem Lebensende. Schönbein war im grossen Kantonsrat und ab 1851 im Stadtrat. Ab 1831 war Schönbein Mitglied der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft SNG (heute Akademie der Naturwissenschaften (SCNAT)). Des weiteren war er Gründungspräsident der Hebelstiftung und Mitglied der städtischen Beleuchtungskommission.

Erfolgreiche Forschung sichtbar machen

Durch die «Chemical Landmarks» macht die «Platform Chemistry» der Akademie der Naturwissenschaften auf das wissenschaftliche und technologische Erbe der Chemie in der Schweiz aufmerksam. Dabei werden historisch bedeutende Einrichtungen als «historische Stätten der Chemie» ausgezeichnet und als Teil des kulturellen Erbes gewürdigt. Der Falkensteinerhof ist bereits der neunte als «Chemical Landmark» ausgezeichnete Ort. Frühere Auszeichnungen gingen 2009 an die erste chemische Fabrik in Winterthur, 2010 an das alte Chemiegebäude der ETH Zürich, 2011 an das Laboratorium von J.-C. Galissard de Marignac in Genf, 2012 an das Rosental-Areal und das Firmenarchiv der Novartis in Basel, 2013 an das Lonza Werk in Visp, 2014 an das Laboratorium im Schloss Reichenau (GR) und 2015 an das ehemalige Chemieinstitut der Universität Freiburg, 2016 an das ehemalige Chemieinstitut der Universität Zürich.

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