• 12.06.2019
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Kritik an der Initiative «Tier- und Menschenversuchsverbot»

Versuchstier im Labor
Image: Institut für Labortierkunde
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Versuchstier im Labor
Versuchstier im Labor (Image: Institut für Labortierkunde)

Mit der am 18. März 2019 eingereichten Eidgenössischen Volksinitiative «Ja zum Tier- und Menschenversuchsverbot» sollen in Zukunft Tierversuche und klinische Versuche mit Menschen verboten werden. Eine Annahme dieser Initiative würde den wissenschaftlichen Fortschritt, die wissenschaftliche Aus- und Weiterbildung und die medizinische Versorgung in der Schweiz gefährden.

Was will die Volksinitiative? Sie formuliert äusserst restriktive Schranken zu Tierversuchen, klinischen Versuchen mit Menschen und zur Einfuhr von Medikamenten, die auf solchen Versuchen basieren. Wie die Universitäten und andere forschende Institutionen warnt die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) vor einer Annahme dieser Initiative. Diese würde Grundlagen- und angewandte Forschung behindern und klinische Forschung mit Patienten und Versuchspersonen ausschliessen, wenn das Studienmedikament auf Tierversuchen basiert. Vom Verbot betroffen wären auch Handel, Ein- und Ausfuhr von Produkten aller Arten und Branchen, für die direkt oder indirekt Tierversuche durchgeführt wurden. Die Annahme dieser Initiative hätte massive Auswirkungen auf die medizinische Versorgung: Die Schweizer Bevölkerung (und die Tiermedizin) müsste auf viele Medikamente oder Behandlungen verzichten, die ihr bislang zugute kommen bzw. in anderen Ländern angeboten werden.

Verantwortbarer Einsatz von Tieren ist wichtig

Der Einsatz von Tieren in der Forschung leistet in verschiedenen Bereichen nach wie vor einen essenziellen Beitrag zum Verständnis von Krankheiten und zur Weiterentwicklung von Therapieansätzen. Er muss stets auf die Schweizerische Tierschutzgesetzgebung abgestützte und gemäss ethischer Güterabwägung verantwortbar sein. Mit der heutigen Gesetzgebung ist es möglich, die Tierversuche auf das unerlässliche Mass zu reduzieren, der Einsatz von Alternativmethoden ist immer an erster Stelle. Die SAMW setzt sich dafür ein, dass Tierversuche gesetzeskonform und ethisch verantwortbar umgesetzt werden, etwa mit der 2017 veröffentlichten Wegleitung zur Güterabwägung bei Tierversuchen.

In ihrer Stellungnahme vom 18. März 2019 warnt swissuniversities vor einer Annahme der Initiative. Die SAMW schliesst sich dieser Warnung an.


Kommission für Tierversuchsethik

Die SAMW führt zusammen mit der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT) die Kommission für Tierversuchsethik (KTVE). Die KTVE dient als Expertise- und Beratungsorgan im Bereich Tierversuche und besteht aus Mitgliedern der Gebiete Grundlagenforschung, Veterinärmedizin, Tierschutz, Recht und Ethik. Als Hilfestellung für die Praxis hat sie z. B. 2017 die Wegleitung «Güterabwägung bei Tierversuchsanträgen» veröffentlicht.

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