Herbicide resistant sugar beets

Das Unkraut stellt das grösste Problem im Zuckerrübenanbau dar, da die langsam wachsenden Rüben Konkurrenz schlecht ertragen.
Das Unkraut stellt das grösste Problem im Zuckerrübenanbau dar, da die langsam wachsenden Rüben Konkurrenz schlecht ertragen. (Image: Jörg Romeis, Agroscope (Mitglied Forum Genforschung))
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Das Unkraut stellt das grösste Problem im Zuckerrübenanbau dar, da die langsam wachsenden Rüben Konkurrenz schlecht ertragen.
Das Unkraut stellt das grösste Problem im Zuckerrübenanbau dar, da die langsam wachsenden Rüben Konkurrenz schlecht ertragen. (Image: Jörg Romeis, Agroscope (Mitglied Forum Genforschung))

Zuckerrüben müssen vor Unkraut geschützt werden

Die Zuckerrübe (Beta vulgaris) ist für die Schweizer Landwirtschaft eine wichtige Kulturpflanze. Fast der gesamte in der Schweiz konsumierte Zucker stammt aus einheimischen Rüben.

Das grösste Problem im Rübenanbau sind Unkräuter. Die jungen Zuckerrübenpflanzen ertragen die Konkurrenz durch Unkräuter schlecht. Unkräuter können entweder mechanisch oder chemisch unter Kontrolle gebracht werden. Da die Unkrautbekämpfung von Hand zu aufwendig und zu teuer ist, sind Zuckerrüben für den Biolandbau von geringer Bedeutung. 2012 betrug der flächenmässige Anteil von Bio-Zuckerrüben weniger als 0,1 Prozent.

Die Behandlung mit Unkrautbekämpfungsmitteln ist aber ebenfalls anspruchsvoll: Der Erfolg hängt von der richtigen Dosierung verschiedener Mittel zu bestimmten Zeitpunkten ab. In der Schweiz werden Zuckerrüben meist dreimal mit Mischungen von Unkrautbekämpfungsmitteln behandelt.1 Zudem werden unerwünschte Pflanzen bereits im Jahr zuvor in Kulturen bekämpft, die in der Fruchtfolge vor den Zuckerrüben angebaut werden.

Erträge steigern und Kosten senken

Der Einsatz herbizidtoleranter gentechnisch veränderter (GV) Rüben erleichtert die Unkrautkontrolle. Der Zeitpunkt, zu dem gespritzt werden muss, kann flexibler gewählt werden, und der verwendete Wirkstoff (Glyphosat) ermöglicht eine breite und effektive Bekämpfung aller Unkräuter. Zudem werden die Rüben selber weniger durch das Unkrautbekämpfungsmittel beschädigt. Dadurch lassen sich höhere Erträge erzielen und die Kosten bei der Unkrautkontrolle senken. Gemäss Berechnungen der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon könnte unter Schweizer Bedingungen ein um bis zu 40 Prozent höherer Gewinn (+ 640 CHF/ha) erwirtschaftet werden.2

Den fruchtbaren Boden schonen

Glyphosat ist weniger schädlich für die Umwelt als die meisten anderen Unkrautbekämpfungsmittel. Zudem ist es möglich, gegenüber Glyphosat tolerante Zuckerrüben direkt in den Boden zu säen, ohne dass vorher gepflügt werden muss. Dadurch wird der Boden geschont und vor Erosion geschützt.

Erfahrungen in den USA

Seit 2006 sind herbizidtolerante Rüben in den USA provisorisch zugelassen. Bemerkenswert ist, dass bereits im Jahr 2009 auf 95 Prozent der Anbaufläche diese neuen GV-Rüben angepflanzt wurden – eine extrem kurze Umstellung der Unkrautbekämpfungsstrategie. Erste Erfahrungen legen nahe, dass durch den Anbau der GV-Rüben die Anzahl Behandlungen mit Unkrautbekämpfungsmitteln verringert werden konnte und auch die Umweltbelastung abnahm (um ca. 40 Prozent, bezogen auf den Environmental Impact Quotient).3 Anfang 2012 hat das US Landwirtschaftsdepartement (USDA) eine definitive Anbaubewilligung erteilt.

Allerdings sind in verschiedenen Regionen der USA gegenüber Glyphosat resistente Unkräuter zu einem zunehmenden Problem geworden. Es wird erwartet, dass deshalb künftig teilweise wieder vermehrt auch auf ältere und somit weniger umweltschonende Herbizide zurückgegriffen werden muss.

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Feldversuche in Europa

GV-Rüben wurden während mehrerer Jahre in Feldversuchen in Deutschland und Polen von der Firma KWS getestet. Die Feldversuche belegen, dass es an diesen Standorten möglich ist, das Unkraut effektiv zu bekämpfen und gleichzeitig Unkrautbekämpfungsmittel einzusparen.4

In England wurden ebenfalls GV-Zuckerrüben in Freilandversuchen angepflanzt. Dabei zeigte sich, dass eine Unkrautmanagement-Strategie gewählt werden kann, die sowohl hohe Erträge bringt als auch genügend Unkräuter und Unkrautsamen für Kleinstlebewesen und Vögel bestehen lässt.5

Herbizidtolerante Zuckerrüben sind bisher in Europa nicht zugelassen. Ein Zulassungsantrag für den Anbau der GV-Rübe in der EU hat die Firma KWS im Jahre 2000 gestellt. Nachdem sich das Bewilligungsverfahren über viele Jahre hingezogen hatte, zog die Firma im 2013 den Antrag zurück.

Referenzen

(1) Schweizerische Fachstelle für Zuckerrübenbau (2000). Unkrautkontrolle. Der Rübenpflanzer. Link

(2) Albisser Vögeli G, Burose F, Wolf D, Lips M (2011) Wirtschaftlichkeit gentechnisch veränderter Ackerkulturen in der Schweiz: Mit detaillierter Berücksichtigung möglicher Koexistenz-Kosten, Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon (ART). Link

(3) Dillen K, Demont M, Tillie P, Rodriguez Cerezo E (2012) Bred for Europe but grown in America: the case of GM sugar beet. New Biotechnology 30: 131–135. Link

(4) Nichterlein H, Matzk A, Kordas L, Kraus J, Stibbe C (2012) Yield of glyphosate-resistant sugar beets and efficiency of weed management systems with glyphosate and conventional herbicides under German and Polish crop production. Transgenic Research 22(4): 725-736. Link

(5) May MJ, Champion GT, Dewar AM, Qi A, Pidgeon JD (2005) Management of genetically modified herbicidetolerant sugar beet for spring and autumn environmental benefit. Proceedings of the Royal Society B 272: 111–119. Link

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