Melanom: auf verschiedene Patientengruppen zugeschnittene Behandlungen

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In der Schweiz kommt Schwarzer Hautkrebs vergleichsweise häufig vor. Früher galten Melanome als unheilbar, sobald sie Metastasen gebildet hatten. Heute gibt es Therapien, die auf die unterschiedliche genetische Ausstattung verschiedener Patientengruppen abgestimmt sind und auch bei metastasiertem Hautkrebs gute Behandlungsergebnisse in Aussicht stellen.

Schwarzer Hautkrebs – auch unter dem Namen Melanom bekannt – ist eine der häufigsten Krebsarten. Von denjenigen Personen, die nach dem Jahr 2000 in der Schweiz geboren wurden, dürfte Hochrechnungen zufolge jede 70. ein Melanom entwickeln, was weltweit einem Spitzenwert entspricht.

Gefährlich ist der schwarze Hautkrebs insbesondere wegen seiner Neigung, rasch Metastasen in den inneren Organen zu bilden. In den vergangenen Jahren wurden Medikamente entwickelt, um die früher als unheilbar geltenden metastasierten Melanome zu behandeln. Die Heilmittel versprechen positive Behandlungsergebnisse – allerdings nur bei Melanomen, die bestimmte Mutationen aufweisen. Daher wird jetzt vielerorts das Gewebe der Metastasen genetisch untersucht, bevor mit der Therapie begonnen wird. Je nachdem, wie der Test ausfällt, wird ein anderes Medikament gewählt.

Verschiedene Wirkstoffe für unterschiedliche Mutationen

Liegt zum Beispiel die BRAF-V600E-Mutation vor, wird den Betroffenen ein Medikament verabreicht, der das aktive Zentrum der mutierten Kinasen blockiert und die Tumoraktivität stark hemmt. Bei Kranken ohne diese Mutation zeigt das Medikament nicht die erwünschte Wirkung, ganz im Gegenteil: Tumorzellen ohne die BRAF-V600E-Mutation können durch den Wirkstoff sogar aktiviert werden.

Patientinnen und Patienten ohne BRAF-Mutation werden auf eine allfällige NRAS-Mutation getestet. Ist eine solche vorhanden, empfiehlt sich eine Behandlung mit einem sogenannten MEK-Inhibitor, der bestimmte Signalübermittlungswege hemmt, die unter anderem am Zellwachstum beteiligt sind. Einige seltenere Melanomformen wiederum weisen gerne Mutationen im c-Kit-Gen auf, das bei der Entstehung von Krebs eine massgebliche Rolle spielt. Ist dieses Gen mutiert, können sogenannte kit-Kinase-Inhibitoren eingesetzt werden.

Differenzierte Therapien nützen allen

Doch was kann die Medizin denjenigen Krebskranken anbieten, die keine der genannten Mutationen haben? Auch sie profitieren von der personalisierten Gesundheitsversorgung – denn sie laufen nicht Gefahr, mit Wirkstoffen behandelt zu werden, auf die sie nicht ansprechen und die zu belastenden Nebenwirkungen führen würden. Zudem scheint die Prognose für Melanome ohne die erwähnten Mutationen eher günstiger zu sein. Ausserdem existieren mittlerweile auch Medikamente, welche die Immunantwort der Patientinnen und Patienten stärken und die unabhängig vom Mutationsstatus angewendet werden können.

September 2018


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Literatur

Eckhardt A et al (2014) Personalisierte Medizin. Studie des Zentrums für Technologiefolgen-Abschätzung TA-SWISS. Zürich: vdf Hochschulverlag. Link

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