"Der Kontakt zu Forschern fasziniert die Schüler"

Atlas-Kontrollraum
Atlas-Kontrollraum
P. Blum

Patrick Blum, Lehrer für Französisch und Deutsch am Gymnasium Bern-Neufeld, besuchte im September 2012 mit einer Schulklasse das CERN. Im Interview schildert er seine Erfahrungen.

Herr Blum, was hat Sie auf die Idee gebracht, ans CERN zu gehen?

Anlass war eine Studienwoche in Genf, die ich zusammen mit dem Geschichts- und Klassenlehrer organisiert habe. Die Klasse besteht aus 22 Knaben, die das Schwerpunktfach Physik/Anwendungen der Mathematik (PAM) gewählt haben. Da lag es nahe, neben der UNO und dem IKRK auch das CERN zu besuchen.

Was hat Sie als Lehrer besonders beeindruckt?

Der Riesenaufwand finanzieller, technischer und personell-organisatorischer Art, der betrieben wird, um die kleinsten Teilchen zu finden. Als Lehrer war ich beeindruckt und erfreut, dass die CERN-Physiker den Willen haben, ihre Erkenntnisse auch einem Laienpublikum verständlich zu machen. Die Ausstellungen sind didaktisch gut gemacht, und es gibt gute Animationen. Das CERN gibt sich auch sehr offen. Wir konnten den Physikern über die Schultern schauen, wie sie aus dem Kontrollraum den ATLAS-Detektor und damit eines der grossen CERN-Experimente steuern. Als Sprachlehrer war ich ferner beeindruckt von der internationalen Atmosphäre. Beim Mittagessen in der Mensa gingen Englisch, Französisch und andere Sprachen bunt durcheinander.

Wie war das Feedback der Schüler auf den Besuch?

Das CERN war für sie einer der Höhepunkte der Studienwoche, wie unsere nachträgliche Auswertung gezeigt hat. Die Schüler stellten viele Fragen, ihre Begeisterung war spürbar. Die Schüler sind im 9. Schuljahr und stehen erst am Anfang des PAM-Schwerpunkts, hatten in der Schule bisher also kaum moderne Physik und kannten das Standardmodell noch nicht. Der Besuch hat sie sehr neugierig gemacht. Das sind Erfahrungen, aus denen hoffentlich zukünftige Ingenieure und Naturwissenschaftler hervorgehen.

War bei dem Besuch auch vom Higgs-Teilchen die Rede?

Viele Schüler hatten mitbekommen, dass Anfang Juli 2012 das angebliche 'Gottesteilchen' entdeckt worden war. Bei dem einführenden Referat am Vormittag haben die Schüler dann erfahren, dass das Higgs-Teilchen der letzte Baustein des Standardmodells ist, der noch experimentell nachgewiesen werden muss. Am Nachmittag war das Higgs-Teilchen abermals ein Thema. Da haben wir erfahren, wie das Teilchen am ATLAS-Experiment nachgewiesen wird.

Worauf sollten Lehrkräfte, die das CERN mit ihren Schülern besuchen wollen, achten?

Wichtig scheint mir, genügend Zeit mitzubringen. Wir waren von 10 bis 16 Uhr am CERN, davon eine Stunde Mittagspause. So viel Zeit braucht es, um sich auf die Welt der Teilchenforschung einzulassen. Wichtig ist auch, dass die Schüler über ein minimales Vorwissen verfügen. Dafür hat uns der einleitende Vortrag von Hans Peter Beck – Physikdozent an der Universität Bern und Forscher am CERN – sehr geholfen. Hans Peter Beck hat uns dann auch durchs CERN geführt. Das war ein grosser Vorteil, weil er als Forscher auf die Fragen der Schüler vertieft Auskunft geben konnte. Der Kontakt zu Forschern fasziniert die Schüler.

Für Lehrkräfte, die sich intensiver mit der Teilchenphysik-Forschung beschäftigen möchten, bietet das CERN jedes Jahr einen dreiwöchigen Sommerkurs in englischer Sprache an.