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Die Landschaft beobachten und den Dialog aktivieren

Bericht zum FoLAP-Plenum vom 25. November 2025

In welche Richtung soll sich die Landschaftsbeobachtung weiterentwickeln? Welches Potenzial haben multisensorische und partizipative Methoden? Wie kann das Monitoring von Landschaften dazu beitragen, diese vermehrt ins Gespräch zu bringen? Mit diesen Fragen haben sich die FoLAP-Plenumsmitglieder bei ihrem Online-Austausch vom 25. November 2025 auseinandergesetzt.

Eindrücke vom Vernetzungstreffen für Landschaftsdozierende am 29. September 2025 in Zürich Affoltern.
Eindrücke vom Vernetzungstreffen für Landschaftsdozierende am 29. September 2025 in Zürich Affoltern.
Eindrücke vom Vernetzungstreffen für Landschaftsdozierende am 29. September 2025 in Zürich Affoltern.Image: David Wick
Image: David Wick

Landschaften wandeln sich stetig, so auch in der Schweiz. Diese Veränderungen untersucht das Programm Landschaftsbeobachtung Schweiz LABES, welches Marcel Hunziker von der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL den Plenumsmitgliedern vorstellte. Die Erhebungen der physischen und wahrgenommenen Qualitäten der Schweizer Landschaften aus den Jahren 2010 und 2020 zeigen: Während Indikatoren zur Zersiedlung zunahmen, blieb die wahrgenommene Landschaftsqualität hoch. Daraus lässt sich schliessen, dass die Landschaftswahrnehmung vonseiten der breiten Bevölkerung tendenziell positiver ausfällt als die Beurteilung der physischen Landschaftsentwicklung durch Expert:innen.

Davon ausgehend widmeten sich die Plenumsmitglieder der Frage, wie mit der «zu positiv» wahrgenommenen Landschaftsqualität umzugehen ist. Ist mehr Sensibilisierung bezüglich der Werte der Landschaft notwendig? Oder ist alles bestens, da die Bevölkerung mit der Landschaft zufrieden ist? Die Diskussion zeigte Bedarf auf, sich weiter mit der Rolle von Expert:innen in der Landschaftsbeobachtung auseinanderzusetzen. Auch bleibt die Frage bestehen, ob künftig vermehrt normative Ansätze sinnvoll sind – mit dieser Frage müssen sich auch Politik und Planung auseinandersetzen. Für die Weiterentwicklung des Landschaftsmonitorings sind zudem allfällige Bias zu beachten: Tourist:innen haben zum Beispiel eine eher positive Einstellung gegenüber der Qualität der Landschaft und nehmen daher Probleme selten wahr.

Im Gegensatz zur positiv wahrgenommenen Landschaftsqualität ruft der Klimawandel meist negative Emotionen bis hin zu Hilflosigkeit hervor. Ein Ansatz, das Problembewusstsein in der Bevölkerung mit Lösungen zu verknüpfen, ist das Projekt Zukunftsbilder Netto Null vom Forum für Klima und globalen Wandel ProClim. Projektleiter Severin Marty zeigte auf, wie im Austausch von Wissenschaft und Praxis Bilder einer klimaneutralen Zukunft entstanden, die Emotionen auf konstruktive Weise ansprechen und die Machbarkeit von Klimaschutz aufzeigen.

Die Plenumsmitglieder setzten sich in der Diskussion damit auseinander, wie die Kommunikation mit Bildern den Dialog über Landschaft anstossen könnte. Dabei zeigte sich die Relevanz, Ziel und Zweck der Bilder sowie der Partizipation klar vor Augen zu haben. Des Weiteren kann es sich lohnen, an bestehende Initiativen oder Projekte anzuknüpfen.

Ein Projekt, in dem das Anstossen des Landschaftsdialogs gelungen ist, stellte Géraldine Guesdon aus dem Regionalen Naturpark Chasseral vor. Mittels Fotografien hat das Projekt die Bevölkerung für die Entwicklung der Landschaft in den Pärken Chasseral und Doubs sensibilisiert. Der partizipativ gestaltete Prozess ermöglichte zudem, konkrete Handlungsmöglichkeiten zu identifizieren – zum Beispiel zu Nutzungsregulierungen oder der Umnutzung bestehender Gebäude. Die fotografische Landschaftsbeobachtung schaffte so Inklusivität und machte die Zugehörigkeit zur Landschaft spürbar. Mit Interventionen im öffentlichen Raum erreichte das Projekt es zugleich, für Veränderungen zu sensibilisieren, einen Dialog darüber anzuregen und selbst Teil dieser Veränderung zu sein. Partizipation, Sensibilisierung und Gestaltung greifen hier ineinander.

Solche Methoden, so die Diskussion im Plenum, gilt es breiter anzuwenden. Dabei könnten auch gezielt die Chancen von Künstlicher Intelligenz zum Zuge kommen – zum Beispiel, um Narrative in Landschaftsbildern herauszuarbeiten und zu analysieren.

Wir nehmen Landschaften allerdings nicht nur visuell wahr, sondern auch über weitere Sinneseindrücke wie Gerüche oder Klänge. Ladina Koeppel von der Fachhochschule OST gab einen Einblick, wie diese Sinneseindrücke mit der Methode des Transect walks in das Monitoring von Landschaften einfliessen können. Dabei werden Indikatoren wie die Klangkulisse, Nutzungsspuren oder Störfaktoren entlang einer festgelegten Route erfasst. Zwar sind die Ergebnisse der Transect walks von Tageszeit, Wetter und Saison abhängig, aber bei systematischer Durchführung eröffnet die Methode die Möglichkeit, die Auswirkung von Landschaftsveränderungen auf die Aufenthaltsqualität zu untersuchen. Zudem bietet sie – bei partizipativer Umsetzung – Potenzial, den Landschaftsdialog anzustossen.

Die Diskussion der Plenumsmitglieder zeigte nicht zuletzt: Es wird auch viel über Landschaft gesprochen, ohne den Begriff explizit zu benutzen. Gespräche über Wälder oder die Landwirtschaft sind ebenfalls Landschaftsdialoge. Diese sollten nicht ausser Acht gelassen werden.

Das Thema Landschaftsmonitoring, aber auch die Wahrnehmung und Gewichtung durch die Bevölkerung, wird zentrales Thema des FoLAP und des Kuratoriums bleiben. Das FoLAP sieht seine Rolle in der Vernetzung der bestehenden Monitorings, neuer Ansätze und Methoden, sowie in der Diskussion mit und der Weiterführung in der Praxis.

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Lea Reusser
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